5.12.2014

Mangelnde Fitness im Schweizer Wald – es besteht Handlungsbedarf

Die 3. Schweizer Rohholztagung fand am 5. Dezember 2014 im Stade de Suisse in Bern statt. Thomas Lädrach, Präsident der Task Force Wald+Holz+Enerie, begrüsste mehr als 50 ausgewählte Branchenvertreter zur Tagung mit dem Thema „Mehr Fitness für den Schweizer Wald“. Die Task Force Wald+Holz+Energie (TF WHE) ortet Handlungsbedarf.

Anlässlich der 3. Schweizer Rohholztagung in Bern riefen die in der Task Force Wald + Holz + Energie (TF WHE) vereinten inländischen Rohholzverbraucher die Waldbesitzer auf, für mehr Fitness im Schweizer Wald zu sorgen. Die neuen Zahlen des Landesforstinventars zeigen, dass der vielerorts nicht nachhaltige Waldaufbau grosses Augenmerk verdient: Die Anteile überalterter Bestände und unverkäuflichen Starkholzes haben weiter zugenommen. Auch die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL sagt: „Denn wenn der Wald nachhaltig genutzt werden soll, braucht es mehr Jungwald als heute“. Das ruft nach einer eigentlichen Waldverjüngungs-Kampagne, nach gezielter Investition in den Wald der Zukunft. Nach einem Wald, der auch gegen jegliche Einflüsse des Klimawandels besser gewappnet ist, einfach weil er jünger und besser durchforstet – und folglich fitter – ist.

Dipl. Ing. Helmuth Neuner, Wirtschaftsdirektor des Benediktinerstifts Admont in der Steiermark, nannte in seinem Referat eine Kenngrösse, an der sich die Schweizer Waldbewirtschaftung gemäss Thomas Lädrach ungenügend orientiert: der Zieldurchmesser. Für die stiftischen Waldungen strebt Helmuth Neuner Zieldurchmesser mit einer hohen Stück-Masse-Relation an, die aber auch von der Holzindustrie nachgefragt werden (Zerspanertechnologie). Starkholzaufbau vermeidet er. Die österreichische Bildungs- und Beratungsunterlage „Waldbau in Österreich auf ökologischer Grundlage“ konkretisiert zu den optimalen Baumdimensionen: „Der Zieldurchmesser in Brusthöhe liegt in annähernd gleichaltrigen Fichten- und Tannenbeständen bei rund 50 cm ohne Rinde auf besseren Bonitäten, bzw. 40 cm ohne Rinde bei schlechten Bonitäten; bei Laubbaumarten oder Lärche mit hoher Qualität bei 60 cm und mehr.“ In dieser Hinsicht fordert die TF WHE eine Sensibilisierung der Schweizer Waldbesitzer.

Das Beispiel des Benediktinerstifts Admont zeigt aber auch auf, dass ein mit Schweizer Verhältnissen vergleichbarer österreichischer Gebirgsforstbetrieb den Wald nutzt – mit wirtschaftlichem Erfolg. Die neuen Daten des Landesforstinventars weisen nämlich aus, dass in den Wäldern der Alpen und Alpensüdseite während der letzten sieben Jahre nur 59 beziehungsweise 41% des Fichtenzuwachses genutzt wurden oder abgestorben sind. Im Mittelland hingegen übertraf das Volumen der genutzten und abgestorbenen Fichten den Zuwachs um durchschnittlich 42%. Auf den genutzten Flächen wachsen hier mehrheitlich Laubbäume nach.

Die Holzverarbeiter fordern, dass der Nadelholzanteil im gut erschlossenen und wüchsigen Mittelland wieder steigt. Die Mittellandkantone sollen die Laubholzförderung stoppen und ihre Forstdienste die Pflanzung als forstliche Massnahme zur Bestockung mit geeigneten, trockenresistenten Nadelholz- Provenienzen unterstützen. Gleichzeitig werden sich die Holzverarbeiter vermehrt den Nadelholz- Reserven im Voralpen- und Alpengebiet zuwenden müssen. Deshalb ist es wichtig, dass der Bund sich dort für die forstliche Infrastruktur engagiert: Beiträge für die Erschliessung ausserhalb des Schutzwaldes und landesweite Seilkraneinsätze sind zu gewähren. Das trägt auch dazu bei, die Wirtschaftlichkeit der Forstbetriebe zu stärken.

Der Schweizer Wald sei im kollektiven Bewusstsein weitgehend sozialisiert und „entökonomisiert“, sagte Stefan Flückiger, Geschäftsführer der Berner Waldbesitzer, in seinem Referat. Es brauche eine wirkungsorientierte Kommunikation von Bund, Kanton, Waldwirtschaft und Holzindustrie zugunsten der Holz-Waldleistung: „Die Holz-Waldleistung ist von überwiegendem öffentlichen Interesse. Waldpolitik geht nicht ohne Holzindustrie.“ Anzustreben sei, das Holznutzungspotenzial auszuschöpfen und gleichzeitig zu erhalten, eine wirtschaftlich konkurrenzfähige Waldwirtschaft sowie eine international konkurrenzfähige Holzindustrie. Die Branche müsse sich als Teil von Cleantech positionieren.

Auskunft:
Thomas Lädrach, Präsident Task Force Wald + Holz + Energie, 079 350 09 65

Hansruedi Streiff, Direktor Holzindustrie Schweiz, 079 667 12 53

Graphik 1: Mehr als 37% des Schweizer Vorrats steht in Bäumen mit > 52cm BHD
Graphik 2: Starkholzvorräte gibt es in allen Landesteilen– nicht nur in den Bergen.
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