14.08.2013

Holzernte: Trendwende dringend nötig

Die neuesten Zahlen des Bundes sprechen eine deutliche Sprache: die Holzernte befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Das betrifft in besonderem Masse das Hauptsortiment Nadel-Stammholz. Die Schweizer Wald- und Holzwirtschaft steht unter massivem Druck. Die Task Force Wald + Holz + Energie (TF WHE) fordert eine nutzungsfreundlichere Waldpolitik und ist auf einen raschen und intensiven Start der neuen Holzschlagsaison angewiesen.

Die eben erschienene Forststatistik 2012 macht es deutlich: die hiesige Forst- und Holzwirtschaft steckt in einer tiefen und dauerhaften Krise. Die geerntete Holzmenge sinkt seit Jahren. Beim wichtigsten Sortiment, dem Nadel-Stammholz, ist die Ernte von 2,568 Mio. Festmeter (fm) 2011 auf 2,241 Mio. fm 2012 gesunken – und damit um 12,7%. Das ist die tiefste Erntemenge seit gut dreissig Jahren.

Besonders deutlich wird der enorme Rückgang der Schweizer Holzernte beim Blick auf die einzelnen Kantone. Der Vergleich der Ernte 2012 mit dem Durchschnitt von 2006/2007 ist erschreckend. Der Rückgang beträgt im Kanton Thurgau 58%, im Kanton Zürich 45% und im Kanton Luzern 42%. Der Bund erklärt den Ernterückgang mit den gegenwärtig tiefen Holzpreisen und weist auf die schwierigen Bedingungen für Schweizer Produzenten in Europa infolge des starken Frankens hin.

Die rohholzverarbeitende Industrie, vereinigt in der Task Force Wald + Holz + Energie (TF WHE), nimmt die neusten Zahlen der Forststatistik mit grösster Besorgnis zur Kenntnis. Dass im letzten Jahr die Holzernte erneut zurückgegangen ist, überrascht die Branche zwar nicht. Alarmierend sind jedoch Tempo und Ausmass des Ernterückgangs und die Tatsache, dass ausgerechnet das wichtigste Sortiment, das Nadel-Stammholz, den grössten Rückgang verzeichnet. Die Konkurrenz durch die Nachbarländer ist auf den Holzmärkten offenbar grösser als befürchtet, und eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Die TF WHE geht davon aus, dass der Ernterückgang in der Schweiz bereits einen deutlichen Job- und Know-how-Verlust sowie abnehmende Erntekapazitäten bei den Forstbetrieben, vor allem aber bei den privaten Forstunternehmern zur Folge hatte. Wird weniger Holz geerntet, führt dies zu einem Rückgang beim Angebot an Hackschnitzeln und Hobelspänen. Die der internationalen Konkurrenz vollständig ausgesetzte Säge-, Papier- und Plattenindustrie bekundet zunehmend Mühe mit der Beschaffung ihres Rohstoffs. Sie sieht sich entsprechend gezwungen, ihre Produktion weiter zu reduzieren und langfristig ihre Kapazitäten anzupassen.

Nicht nur die Holzindustrie, auch die Waldwirtschaft ist gefordert. Waldbesitzer können ihre Holzernte steigern, indem sie sich besser über die Ertragssteigerungsmöglichkeiten informieren und die notwendigen Massnahmen ergreifen. Die TF WHE wird deshalb vermehrt das direkte Gespräch mit den Waldeigentümern suchen und sie über die Bedürfnisse der Industrie informieren.

Waldeigentümer sollten nur moderne und kosteneffiziente Holzernteverfahren einsetzen, sei es in Eigenleistung oder unter Beizug von Forstunternehmern. Der waldbauliche Spielraum ist konsequent zugunsten von Nadelholz auszunutzen, damit die Versorgung der Industrie auch morgen gewährleistet ist. Nadelholz wird auch in Zukunft das am meisten nachgefragte Sortiment sein. Zudem sind den Auswirkungen des Klimawandels Rechnung zu tragen und vermehrt klimaresistente Baumarten wie die Douglasie anzupflanzen.

Die TF WHE verlangt vom Bund, sich besser für die forstliche Erschliessung der Wälder einzusetzen. Sie fordert im Rahmen der laufenden Waldgesetz-Revision die Förderung der forstlichen Erschliessung auch ausserhalb des Schutzwaldes. Das Waldstrassennetz ist auf moderne Holzernteverfahren abzustimmen. Seilkran-Einsätze sollen generell unterstützt werden. Forstliche Seilkräne ermöglichen eine kosteneffiziente und bodenschonende Holzernte, gerade in den nadelholzreichen Voralpen. Einzelne Kantone wie Graubünden, Bern und Luzern unterstützen schon heute ohne Beiträge des Bundes Seilkraneinsätze mit dem Ziel einer verstärkten Holzmobilisierung. Zu dieser einfachen und wirksamen Massnahme sollten auch der Bund und die übrigen Kantone greifen.

Neben der Frankenstärke erschweren weitere ungünstige Rahmenbedingungen die Holzernte und -verarbeitung. Öffentliche Gelder sind in den letzten Jahren massiv in Fördermassnahmen für die Biodiversität investiert worden. Andererseits gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass bewirtschaftete Wälder die Ansprüche der Öffentlichkeit an den Wald als Erholungsraum und auch an die Biodiversität am besten erfüllen. Die TF WHE wehrt sich vehement gegen übertriebene Forderungen des Naturschutzes, beispielsweise bei der Umwandlung von Produktionsflächen in Reservate gemäss der neuen Biodiversitätsstrategie des Bundes.

Die rohholzverarbeitende Industrie setzt auf die kommende Holzschlagsaison ein deutliches Zeichen und erhöht die Holzpreise, denn sie ist auf eine früh einsetzende und kräftige Holzernteaktivität angewiesen.

Einen umfassenden Einblick in die Themengebiete Wald + Holz + Energie sowie in die gemeinsamen Positionen der Mitglieder der TF WHE finden sich auf www.taskforceholz.ch.

Auskunft:
Hansruedi Streiff, Geschäftsführer Task Force Wald + Holz + Energie, 079 667 12 53

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